ADHS-Ausbildungskompass

Dein Start in die Berufswelt

Handicap ADHS

Ein Schulabschluss kommt dir unerreichbar vor? Denn du hast aufgrund deiner AD(H)S starke Probleme, dich zu konzentrieren und dem Unterricht zu folgen? Du bist schwer hyperaktiv? Oder hast mit Legasthenie, Dyskalkulie oder anderen Macken zu kämpfen? Kurz, du kommst in deinem schulischen Umfeld einfach nicht klar und weißt nicht, wie es weiter gehen soll? Kopf hoch, du bist nicht allein. Für Jugendliche mit starken Beeinträchtigungen und Behinderungen bietet die Bundesagentur für Arbeit die Möglichkeit, eine spezielle Berufsausbildung zu absolvieren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass dein Unterstützungsbedarf anerkannt ist.


Berufsbildungswerke (BBW)

Falls behinderungsbedingt eine Ausbildung in einer besonderen Ausbildung erforderlich ist, könnte ein Berufsbildungswerk eine Möglichkeit sein. Berufsbildungswerke (BBW) sind öffentliche bzw. gemeinnützige Einrichtungen, in denen Rehabilitanden/innen ausgebildet werden. Das heißt junge Menschen, die durch ihre Behinderung oder Beeinträchtigung besondere Hilfen bei der Ausbildung benötigen. Bundesweit gibt es zahlreiche BBW mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Aktuell bilden die Berufsbildungswerke rund 15.000 junge Menschen in über 200 Berufen aus. Das heißt, in einem BBW kannst du einen staatlich anerkannten Berufsabschluss sowie einen Hauptschulabschluss machen, wenn du als Rehabilitand anerkannt bist. Die Agentur für Arbeit übernimmt in diesem Fall die Kosten der Ausbildung.

Damit du deine Ausbildung in einem BBW starten kannst, muss bei dir ein besonderer Unterstützungsbedarf vorliegen. Das heißt, dass dein Förderbedarf aufgrund deiner Beeinträchtigung durch ADHS oder Teilleistungsstörungen durch deine Beratungsfachkraft im Reha-Team festgestellt worden ist. Die Entscheidung darüber, ob du eine Ausbildung in einem BBW machen kannst, fällt dann der Reha-Berater in deiner Agentur für Arbeit.

Die meisten BBW verfügen über eigene Ausbildungsstätten und angegliederte Berufsschulen sowie einen Wohn- und Freizeitbereich. Das heißt, in den meisten Fällen leben die Jugendlichen in einem Internat, das zum BBW gehört. Darüber hinaus werden die Jugendlichen ihrem persönlichen Förderbedarf gemäß von einem Team aus Ärzten, Psychologen und Pädagogen betreut.

Je nach deinem Bedarf kannst du in den modernen Ausbildungsstätten der BBW auch Berufe erproben und kennenlernen. So kann festgestellt werden, wo deine Fähigkeiten und Talente genau liegen. Profis unterstützen dich dabei und stehen dir bei der Berufswahl zur Seite.

Wie bei der regulären dualen Ausbildung auch besteht die Ausbildung im BBW aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der theoretische Teil beinhaltet Fachwissen und allgemeines Wissen, das in der angegliederten Berufsschule vermittelt wird. Der Praxisteil findet in eigenen Ausbildungswerkstätten und Übungsbüros statt. Für noch mehr praktische Erfahrung sind zusätzlich Praktika bei kooperierenden Betrieben vorgesehen. Wie andere Ausbildungen auch dauert die Ausbildung am BBW etwa 3 Jahre und endet mit der Abschlussprüfung.


Wie geht's weiter?

Am besten sprichst du erst einmal mit deinen Eltern bzw. Erziehungsberechtigten über die Möglichkeit, eine Ausbildung in einem Berufsbildungswerk zu machen. Für eine solche Ausbildung ist es häufig erforderlich, in die Nähe des Berufsbildungswerks und damit von zu Hause auszuziehen. Dein Berufsberater im Reha-Team der Agentur für Arbeit bespricht gern alles mit dir. Bringt zum Gespräch unbedingt alle vorliegenden Atteste und Gutachten mit, die es zu deiner ADHS und – falls vorhanden – anderen Beeinträchtigungen gibt.


Ausbildung in einem Berufsbildungswerk

Leon macht gerade eine Ausbildung zum Gartenbau-Fachwerker im Berufsbildungswerk Waiblingen. Im Video-Interview erzählt er, wie er seinen Ausbildungsplatz gefunden hat und was ihm an seiner Ausbildung besonders gefällt.