ADHS-Ausbildungskompass

Dein Start in die Berufswelt

Richtig Bewerben

Wenn du einen oder mehrere freie Ausbildungsplätze gefunden hast, bist du deinem Ziel schon etwas näher gekommen. Jetzt geht es darum, dass du mit deiner Bewerbung punktest und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wirst. Du hast bereits eine Bewerbung für dein Schulpraktikum oder dein Ferienpraktikum geschrieben? Dann kannst du diese als Vorlage verwenden und für deine Bewerbung um den Ausbildungsplatz überarbeiten. Ansonsten musst du sozusagen von vorne beginnen. Im Folgenden geben wir dir einen ersten Überblick darüber, worauf du achten musst.


Startklar machen für die Bewerbung

Wann beginnt das Ausbildungsjahr für den Beruf, den du erlernen willst? Bei großen Unternehmen solltest du dich bereits 1 Jahr oder sogar 1,5 Jahre vorher bewerben, d. h. in der vorletzten Schulklasse. Bei kleineren Handwerksbetrieben oder weniger gefragten Ausbildungen kannst du auch noch ein halbes Jahr vorher Glück haben.

Weißt du, wie du deine Bewerbung versenden sollst? Per E-Mail, per Post oder online direkt über das Karriereportal des Unternehmens? Schau nochmal in der Stellenanzeige nach, ansonsten gilt: Anrufen und fragen!

Setze dich noch einmal damit auseinander, was genau in deiner Ausbildung auf dich zukommt und welche Kenntnisse und Fähigkeiten du erlernen wirst. Das hilft dir, in deiner Bewerbung die passenden Talente und Stärken zu betonen.

Auf jeden Fall brauchst du die genaue Anschrift bzw. E-Mail-Adresse der Personalabteilung und unbedingt einen Ansprechpartner, an den du deine Bewerbung richten kannst. Im Zweifel einfach anrufen und fragen! Achtung: Fragen am besten sammeln und nur 1 x anrufen! Der Name deines Ansprechpartners sollte in deinen Bewerungsunterlagen unbedingt richtig geschrieben sein, lass ihn dir ggf. buchstabieren!


Das brauchst du für deine Bewerbung

Ziel des Anschreibens ist es, klar zu machen, warum du der Richtige für die Ausbildungsstelle bist. Dazu musst du in deinem Anschreiben vermitteln,

  • warum du dich für die Ausbildung entschieden hast,
  • warum du dich gerade bei diesem Betrieb bewirbst und
  • welche Kenntnisse, Erfahrungen, Stärken und Fähigkeiten du für die Ausbildung mitbringst.

Das Anschreiben ist neben dem Lebenslauf der wichtigste Bestandteil deiner Bewerbung. Es liegt lose auf dem Deckblatt, darunter kommt dein Lebenslauf. Das Deckblatt ist kein Muss, wird jedoch immer beliebter. Es enthält deine Kontaktdaten, dein Foto und ggf. eine Übersicht über deine Anlagen sowie als Titel, z. B. „Bewerbung um eine Ausbildungsstelle als …“

Hier geht’s zum Musteranschreiben + Musterdeckblatt

Ein Motivationsschreiben ist keine Pflicht und wird meist nicht ausdrücklich verlangt. Es dient dazu, herauszustellen bzw. zu vertiefen, warum gerade du der richtige für den Ausbildungsplatz bist. Es gibt dir die Möglichkeit, deine Qualifikationen und Talente noch einmal besonders hervorzuheben. Das Motivationsschreiben folgt nach dem Lebenslauf und wird deshalb auch oft als „Seite 3“ bezeichnet.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil deiner Bewerbung ist dein Lebenslauf. Er enthält in tabellarischer Form zeitlich geordnet die wichtigsten Informationen über dich:

  • Persönliche Daten: Geburtsdatum, Wohnort sowie Kontaktmöglichkeiten wie Telefon und E-Mail-Adresse. Angaben zu deinem Geburtsort, deiner Familie und deiner Staatsangehörigkeit sind freiwillig. Deine Religionszugehörigkeit musst du nur erwähnen, wenn es der Arbeitgeber ausdrücklich wünscht.
  • Schulbildung: Ort, Dauer und Art der Schule von der Grundschule bis heute sowie der von dir angestrebte Abschluss.
  • Praktische Erfahrungen: Damit sind alle praktischen Tätigkeiten neben der Schule gemeint, z. B. Nebenjobs, Ferienjobs oder Auslandsaufenthalte und natürlich auch deine Schülerpraktika.
  • Kenntnisse und Fähigkeiten: Hierzu zählen deine Sprach- und Computerkenntnisse bzw. Fähigkeiten, die du eher außerhalb der Schule erworben hast, z. B. Führerschein, Rettungsschwimmer etc.
  • Hobbys und Interessen: Hier sind deine Lieblingsbeschäftigungen und deine Lieblingsfächer in der Schule gefragt.

Hier geht’s zum Musterlebenslauf

Zeugnisse, Empfehlungsschreiben und andere Nachweise

 

  • Zeugnisse: In deine Bewerbung gehören Kopien deiner letzten beiden Schulzeugnisse und, falls du Praktikumszeugnisse hast, auch Kopien hiervon.
  • Empfehlungsschreiben: Auch ein Empfehlungsschreiben ist kein Muss, macht aber einen guten Eindruck. Wer dich am besten empfiehlt, hängt davon ab, für welchen Ausbildungsberuf du dich bewirbst. Das kann z. B. dein Werklehrer sein, wenn du dich für einen Handwerksberuf bewirbst, oder z. B. eine Familie, bei der du ab und zu abends auf die Kinder aufpasst, wenn du dich als Erzieher/in bewerben möchtest.
  • Nachweise und Zertifikate: Das können Bescheinigungen über besondere Kurse oder Nebenjobs sein, die du gemacht hast. Außerdem Kurse oder Lehrgänge, die du in deiner Freizeit besucht hast, z. B. Sprachkurse, Erste-Hilfe-Kurs etc. Aber auch Nachweise z. B. über eine ehrenamtliche Tätigkeit. Eine Gesundheitsbescheinigung und ein polizeiliches Führungszeugnis sind nur notwendig, falls vom Ausbildungsbetrieb gewünscht.

Achtung: Versende Zeugnisse und andere Zertifikate nur als Kopie, nie im Original! Es empfiehlt sich, alle deine Zeugnisse und Zertifikate gleich mehrfach zu kopieren und in einem Ordner abzuheften. Dann bist du für mehrere Bewerbungen ausgerüstet.

Gesetzlichen Bestimmungen gemäß darf von einem Bewerber kein Foto mehr verlangt werden. Doch in den meisten Fällen wird ein Foto gern gesehen. Es wirkt einfach persönlicher und hilft dem Ansprechpartner im Betrieb, einen Eindruck von dir zu gewinnen. Falls du noch kein professionelles Foto hast, lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch bei einem Fotografen, der auf Pass- und Bewerbungsfotos spezialisiert ist. Unter keinen Umständen solltest du ein Automatenfoto, ein Bild aus deiner Freizeit oder ein Selfie verwenden.

Falls du deine Bewerbung per Post sendest

Die Bewerbungsmappe brauchst du natürlich nur, wenn du dich per Post bewirbst. In sie kommen alle Unterlagen hinein. Achte beim Kauf darauf, dass sie stabil ist und nicht knickt und kaufe gleich einen passenden Versandumschlag dazu, am besten mit verstärktem Rücken. Die gebräuchlichsten Mappen sind übrigens die Klemmordner.


Du hast alle Unterlagen für deine Bewerbung zusammen?

Anschreiben, Lebenslauf mit Foto, eine Kopie deiner letzten beiden Zeugnisse, Kopien der Praktikumszeugnisse oder -bescheinigungen und ggf. andere zusätzlich gewünschte Nachweise sind ordentlich in deiner Bewerbungsmappe bzw. online zusammengestellt? Dann hier noch ein wichtiger Tipp, bevor du deine Bewerbung zur Post bringst oder auf den Versenden-Button klickst: Lass alle Unterlagen unbedingt von einem Erwachsenen auf Rechtschreibung und Grammatik sowie Vollständigkeit checken!


Im Vorstellungsgespräch über ADHS sprechen?

Du bist zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen? Herzlichen Glückwunsch! Bereits die Einladung zu einem Gespräch ist ein echter Erfolg! Sie gibt dir die Möglichkeit, persönlich zu punkten und dich von deiner besten Seite zu zeigen. Doch jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt, um zu überlegen, ob du mit dem Gesprächspartner über dein ADHS sprechen möchtest, z. B. wenn du nach deinen Stärken und Schwächen gefragt wirst.

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt es leider nicht. Lediglich, wenn du als Rehabilitand anerkannt bist, solltest du auf jeden Fall darüber sprechen. Ansonsten liegt die Entscheidung bei dir. Sprich mit deinen Eltern und ggf. auch mit deinem Lehrer und/oder Arzt darüber. Hier einige Punkte, die dir bei deiner Entscheidung helfen können:

Pro

  • Du bist als Rehabilitand anerkannt und möchtest z. B. Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen.
  • Du hast starke Probleme, dich länger zu konzentrieren und brauchst mehr Pausen als vorgesehen.
  • Du bist mit deinen Medikamenten gut eingestellt und kannst dich tagsüber gut konzentrieren.
  • Du hast dein ADHS gut im Griff und weißt, wie du dich strukturieren kannst, z. B. durch das Anlegen von Checklisten.
  • Du befürchtest Nachteile wegen Deiner ADHS und möchtest nicht anders beurteilt werden als Nicht-ADHSler.

Gewusst wie? Die besten Tipps für Vorstellungsgespräch und Bewerbung!

  • Informiere dich noch einmal ausführlich über das Unternehmen/den Betrieb und schreibe dir die wichtigsten Fakten auf.
  • Fasse zusammen, warum du ausgerechnet zu diesem Unternehmen/Betrieb willst und was du dort lernen möchtest.
  • Schreibe dir Fragen zum Ablauf und Inhalt deiner Ausbildung auf.
  • Überlege dir Antworten auf mögliche Fragen, was deine Stärken und Schwächen sind. Am besten schriftlich!
  • Falls du über dein ADHS sprechen willst, schreibe dir vorher auf, was du mit welchen Worten sagen möchtest.
  • Mache dir Gedanken darüber, wie du dir deine Zukunft im Betrieb vorstellst.
  • Denke rechtzeitig darüber nach, was zum Gespräch anziehen möchtest. Denn je nach Betrieb und Berufsfeld kann das ganz unterschiedlich sein. Doch egal ob Anzug, Kostüm, Blazer oder Jeans – ein sauberes und ordentliches Erscheinungsbild ist Pflicht!

Unser Tipp: Im Internet findest du viele Ratgeber und Portale, die das Thema Bewerbung und Bewerbungsgespräch zum Thema haben. Einige haben wir unter Nützliche Links für dich zusammengestellt.

Flop

  • Bewerbungsfrist verpennen und sich zu spät bewerben
  • Statt konkretem Ansprechpartner an „Sehr geehrte Damen und Herren“ schreiben
  • Musteranschreiben aus dem Internet eins zu eins verwenden
  • Falsche Grammatik, Rechtschreibfehler, Tippfehler, Fehler in Adresse, Anrede oder Ausbildungsplatz- bzw. Berufsbezeichnung
  • Unseriöse Bewerbungsfotos oder Spaß-Fotos/Selfies aus Freizeit und Urlaub finden die Ansprechpartner im Unternehmen nicht lustig
  • Unseriöse E-Mail-Adresse angeben, z. B. peterpartyhero@web.de
  • Unvollständige Bewerbungsunterlagen oder verschmutzte, geknickte Unterlagen
  • Anschreiben, die länger als 1 DIN-A4-Seite sind
  • Übertreibungen oder Lügen – meist fällt das auf und disqualifiziert den/die Bewerber/in
  • Schlecht lesbare, zu kleine Schrift oder unübersichtliche Formatierung verwenden
  • Vergessen, die Bewerbung zu unterschreiben

Top

  • Rechtzeitig vor Beginn des Ausbildungsjahres bewerben. Bei größeren Unternehmen 1 bis 1,5 Jahre vor Ausbildungsbeginn, meist zum 1.8. oder 1.9. eine Jahres
  • Bewerbung an konkreten Ansprechpartner richten, notfalls telefonisch nachfragen, wer die Bewerbung bekommen soll
  • Statt Floskeln und Musteranschreiben eigene Worte fürs Anschreiben finden
  • Bewerbung von einem Erwachsenen oder deinem Lehrer Korrektur lesen lassen
  • Bewerbung auf Vollständigkeit prüfen
  • Ein seriöses Bewerbungsfoto von einem professionellen Fotografen verwenden
  • Anschreiben kurz und knackig machen: 1 DIN-A4-Seite
  • Authentisch sein und immer bei der Wahrheit bleiben
  • Gut lesbare Schriften in der Größe 10 oder 11 Punkt verwenden und die Bewerbung übersichtlich gliedern und formatieren
  • Die Bewerbung unterschreiben

Tipps und Infos rund um die Bewerbung findest du auch auf planet-beruf.de. Schau dir für noch mehr Informationen unsere Linktipps unter Nützliche Links an.