ADHS-Ausbildungskompass

Dein Start in die Berufswelt

Ausbildung mit ADHS

Eine Berufsausbildung zu machen, die zu dir und deinen Interessen passt, ist schon einmal die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung. Hier verraten wir dir, was noch wichtig für dich als ADHSler ist, damit du deine Talente und Stärken voll ausspielen kannst:


Für den Erfolg deiner Ausbildung spielt dein persönlicher Arbeitsplatz im Ausbildungsbetrieb eine wichtige Rolle. Denn da du dich als ADHSler in einer lauten, betriebsamen Umgebung vermutlich nur schwer konzentrieren kannst, brauchst du einen möglichst ruhigen Arbeitsplatz. Befindet sich dein Arbeitsplatz inmitten eines Großraumbüros, sprich unbedingt mit deinem Ausbilder, ob es eine Möglichkeit gibt, dir einen Einzelplatz zuzuweisen oder dich wenigstens am Rande des Geschehens zu platzieren.

Damit du dich nicht ablenken lässt, ist es für dich noch wichtiger als für jeden anderen Azubi, Ordnung zu halten. Das heißt, auf deinem Schreibtisch sollten sich nur Dinge befinden, die du für den Arbeitsschritt benötigst, den du dir gerade vorgenommen hast. Snacks, Getränke, dein Handy und andere private Dinge, die dich ablenken können, gehören auf jeden Fall in deine Tasche. Nach jedem Arbeitsschritt räumst du die Sachen, die du nicht mehr brauchst, einfach weg. Dann kannst du dich dem nächsten Arbeitsschritt widmen. Am Ende des Tages solltest du deinen Arbeitsplatz immer sauber und aufgeräumt verlassen!

Als ADHSler fällt es dir häufig besonders schwer, dich für Aufgaben zu motivieren, die dir keinen Spaß machen. Doch wenn du deine Ausbildung erfolgreich abschließen willst, musst du dich auch mit solchen Aufgaben irgendwie arrangieren. Hier ein paar Tricks, die dir helfen können, Motivationstiefs zu überwinden.

  • Wenn du etwas machen musst, wozu du dich zwingen musst, überlege dir: Welche guten Gründe hat dir dein Ausbilder genannt, warum du es tun sollst? Welche Vorteile hast du, wenn du es tust? Welche Nachteile hättest du, wenn du es nicht tust?
  • Wenn du vor einer schwierigen Aufgabe stehst: Motiviere dich selbst mit Mut-mach-Sprüchen wie z. B. „Das schaffe ich, auch wenn es schwer ist“, „Einen Fehler kann ich korrigieren“ oder „Mit Mut geht’s gut!“. Du kannst dir natürlich auch deinen eigenen Spruch ausdenken.
  • Wenn du vor einer unübersichtlichen Aufgabe stehst: Gliedere die Aufgabe in aufeinander folgende Teilschritte und arbeite sie Schritt für Schritt nacheinander ab.
  • Wenn du eine für dich unangenehme Aufgabe geschafft hast, belohne dich selbst, z. B. indem du dir einen Kaffee oder Tee gönnst.
  • Und wenn du alleine nicht weiterkommst? Dann bitte einen Kollegen, eine Kollegin oder deinen Ausbilder rechtzeitig um Hilfe. Warte nicht bis dir das Ganze über den Kopf wächst!

Übrigens: Niemand erwartet von dir, dass du immer und überall der/die Beste bist. Mach dich also locker und tu, was du kannst, so gut es geht. Ein verständnisvoller Vorgesetzter wird dir schon allein dein Bemühen positiv anrechnen.

Als Azubi ist es ganz normal, dass du viele Dinge noch nicht kannst oder weißt, denn die Ausbildung ist ja zum Lernen da. Deshalb ist es auch kein Beinbruch, wenn dir manche Sachen nicht auf Anhieb gelingen und Kollegen oder Ausbilder dir dann sagen, was du falsch gemacht hast und was du anders machen musst. Denk dran:

  • Nimm Kritik auf keinen Fall persönlich und verstehe sie schon gar nicht als Angriff auf deine Person.
  • Fehler machen ist völlig okay, schließlich bist du Azubi und kein Meister. Wichtig ist aber, dass du zu deinen Fehlern stehst und dir genau erklären lässt, was du falsch gemacht hast, damit du es beim nächsten Mal besser machen kannst. Am besten aufschreiben!
  • Nachfragen ist absolut in Ordnung, z. B. wenn du etwas nicht verstanden hast. Auch hier gilt: Antworten aufschreiben hilft!

Zum Umgang mit Kritik oder wenn es zu Situationen kommt, in denen du dich vielleicht ärgerst, gehört auch, dass du dich selbst im Griff hast. Also kommt es zum Beispiel zum Streit – nicht gleich in die Luft gehen, sondern ruhig und sachlich bleiben. Versuche zu verstehen, was die andere Seite will. Versuche dann, einen Kompromiss zu finden. Lässt sich die Situation nicht sofort klären, bitte darum, später noch einmal zu sprechen. Verlasse die Situation, um auf andere Gedanken zu kommen. Wenn du sehr wütend bist, versuche, dich abzureagieren, indem du z. B. ganz langsam atmest, rückwärts zählst, mit jemandem redest, den du magst oder an etwas Schönes denkst. Nach Feierabend, wenn du nicht mehr im Betrieb bist, kannst du natürlich auch Sport machen, dich bewegen, Brüllen, Tanzen oder Musik hören und laut mitsingen. Vielleicht hast du auch einen Sandsack oder ein Kissen, auf das du draufhauen kannst!

Sprich am besten rechtzeitig vor deinem Ausbildungsbeginn mit deinem Arzt über deine Medikation. Aber auch während der Ausbildung kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein, z. B. wenn du merkst, dass deine Medikation nicht so gut zum neuen Arbeitsalltag passt.

  • Wichtig: Für den Fall, dass du neu ein- oder umgestellt werden musst, darfst du nicht am Straßenverkehr teilnehmen, d. h. Auto oder ein anderes Verkehrsmittel führen. Denn in der Umstellungsphase kann deine Fahrtüchtigkeit gemindert sein. Auch das Bedienen von Maschinen ist in dieser Zeit nicht erlaubt. Wenn du also im Rahmen deiner Ausbildung z. B. Fahrdienste erledigen musst und noch nicht optimal eingestellt bist, informiere unbedingt deinen Ausbilder rechtzeitig vorher. Denn wenn du trotzdem fährst und einen Unfall baust, kann es sein, dass die Versicherung nicht zahlt.

Wie schon beim Vorstellungsgespräch gilt auch hier: Ob und wann es sinnvoll sein kann, mit deinem Ausbilder und Kollegen über deine ADHS zu sprechen, hängt von ganz unterschiedlichen Dingen ab.

Pro

  • Du bist als Rehabilitand anerkannt und möchtest z. B. Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen.
  • Du hast starke Probleme, dich länger zu konzentrieren und brauchst mehr Pausen als vorgesehen.

Contra

  • Du hast eine funktionierende Therapie bzw. bist mit deinen Medikamenten gut eingestellt und kannst dich tagsüber gut konzentrieren.
  • Du hast deine ADHS gut im Griff und weißt, wie du dich strukturieren kannst, z. B. durch das Anlegen von Checklisten.